Konjunktur in Schleswig-Holstein: Vorsichtiger Optimismus zum Jahresstart 2026
Die Stimmung in der schleswig-holsteinischen Wirtschaft hat sich zum Ende des vergangenen Jahres leicht aufgehellt — aber von Aufbruchsstimmung ist man noch weit entfernt. Der aktuelle Konjunkturbericht der IHK Schleswig-Holstein zeigt ein differenziertes Bild: Etwas mehr Optimismus, aber auch weiterhin erhebliche Belastungen für Unternehmen im Norden. Was steckt dahinter, und was bedeutet das für Unternehmer und Selbstständige in der Region?
Der IHK-Konjunkturindex: Was die Zahlen sagen
Der Konjunkturklimaindex der IHK Schleswig-Holstein ist im vierten Quartal 2025 von 86,4 auf 95,4 Punkte gestiegen — ein Zuwachs von rund neun Punkten. Das klingt nach einer deutlichen Verbesserung, aber der Kontext ist entscheidend: Der langjährige Mittelwert liegt bei 106,4 Punkten. Die Wirtschaft im Norden ist also noch ein gutes Stück von einem gesunden Niveau entfernt.
Die Umfrage, an der rund 922 Unternehmen aus den IHK-Bezirken Flensburg, Kiel und Lübeck teilgenommen haben, zeigt: Die Geschäftslage hat sich verbessert, und auch die Erwartungen für die kommenden Monate sind etwas optimistischer als noch im Herbst. Gleichzeitig bleibt die Lage fragil — das konjunkturelle Auf und Ab auf niedrigem Niveau setzt sich fort.
Investitionen: Zurückhaltung dominiert
Ein besonders deutliches Signal sendet die Investitionsbereitschaft der Unternehmen. Mehr Betriebe planen, ihre Investitionen zu kürzen (31 Prozent), als sie auszuweiten (27 Prozent). Ein Ausbau von Produktionskapazitäten findet derzeit kaum statt.
Dabei fehlt es nicht an politischen Impulsen: Die Bundesregierung hat mit dem Jahreswirtschaftsbericht 2026 Maßnahmen wie einen sogenannten „Investitionsbooster“ und verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten auf den Weg gebracht. Doch in der Realität schleswig-holsteinischer Unternehmen kommen diese Signale noch nicht wirklich an. Kostendruck, unsichere Rahmenbedingungen und hohe Energiekosten überlagern den vorsichtigen Optimismus.
Ein Lichtblick: Der Export zieht an
Positiv sticht die Exportentwicklung heraus. Rund 36 Prozent der befragten Betriebe erwarten steigende Ausfuhren im Vergleich zum Vorquartal, als die Unternehmen noch deutlich zurückhaltender waren, ist das ein bemerkenswerter Stimmungsumschwung. Nur 20 Prozent rechnen mit einem Rückgang.
Das ist für Schleswig-Holstein besonders relevant: Die Region profitiert durch ihre geografische Lage von kurzen Wegen nach Nord- und Osteuropa. Häfen wie Kiel, Lübeck und Flensburg sind Drehscheiben des Handels und wenn die Exportstimmung dreht, wirkt sich das schnell auf die gesamte regionale Wirtschaft aus. Branchen wie der Maschinenbau, die maritime Wirtschaft und die Ernährungsindustrie sind traditionell stark im Export aufgestellt und könnten als erste von einer Belebung profitieren.
Was das für Unternehmen in SH bedeutet
Die aktuelle Konjunkturlage ist kein Grund zur Panik aber auch kein Anlass zur Sorglosigkeit. Für Unternehmer in Schleswig-Holstein lassen sich aus dem Bericht einige praktische Schlussfolgerungen ziehen:
Kostenkontrolle bleibt entscheidend. Hohe Energie- und Arbeitskosten bleiben die größten Belastungsfaktoren. Wer jetzt in Effizienz investiert, sei es durch Digitalisierung, bessere Prozesse oder Energiesparlösungen, stärkt seine Position für den Aufschwung.
Exportchancen nutzen. Gerade mittelständische Unternehmen mit internationaler Ausrichtung sollten die anziehende Exportstimmung als Signal nehmen, bestehende Märkte zu festigen und neue zu erschließen. Die Nähe zu Skandinavien und dem Baltikum ist dabei ein struktureller Vorteil, den nicht jeder Standort in Deutschland hat.
Fachkräfte sichern. Der Fachkräftemangel bleibt laut IHK eine der größten Herausforderungen in SH. Unternehmen, die jetzt in ihre Arbeitgeberattraktivität investieren durch Weiterbildung, flexible Arbeitsmodelle und eine gute Unternehmenskultur sichern sich langfristig einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil.
Netzwerke nutzen. Gerade in unsicheren Zeiten zahlt sich Vernetzung aus. Die IHK Schleswig-Holstein, die WTSH (Wirtschaftsförderung und Technologietransfer) und regionale Netzwerke wie die DiWiSH bieten konkrete Unterstützung von Förderprogrammen bis zu Beratungsangeboten.
Branchen im Vergleich: Wer profitiert, wer leidet?
Nicht alle Branchen in Schleswig-Holstein sind gleich betroffen. Der Tourismus, einer der wichtigsten Wirtschaftszweige im Land mit über 10 Milliarden Euro Umsatz jährlich, zeigt sich weiterhin robust, auch wenn der Kostendruck auf Betriebe spürbar bleibt. Die Energiebranche, in der SH bundesweit eine Vorreiterrolle einnimmt, profitiert von langfristigen Investitionen in Wind- und Offshore-Energie. Schwieriger bleibt die Lage im Einzelhandel und in der Industrie, wo hohe Energie- und Lohnkosten die Margen belasten.
Für Unternehmer lohnt sich daher ein genauer Blick auf die eigene Branche: Wo stehen die Mitbewerber? Welche Förderprogramme gibt es gerade? Und wo sind die Wachstumsfelder, in die sich eine Investition trotz schwieriger Gesamtlage lohnt?
Blick nach vorne: Was bringt das erste Quartal 2026?
Die Stimmung ist vorsichtig optimistisch aber die echte Bewährungsprobe steht noch aus. Entscheidend wird sein, ob die politischen Impulse aus Berlin tatsächlich bei den Unternehmen ankommen, wie sich die Energiepreise entwickeln und ob der Exportaufschwung trägt.
Für Schleswig-Holstein als exportorientiertes Bundesland mit starken Branchen in Energie, Tourismus, maritimer Wirtschaft und Ernährungsindustrie sind die strukturellen Voraussetzungen gut. Die Frage ist, ob der vorsichtige Optimismus des Jahresendes der Ausgangspunkt einer nachhaltigen Erholung wird — oder ob das konjunkturelle Auf und Ab auf niedrigem Niveau anhält.
Wir beobachten die Entwicklung und berichten weiter auf Wirtschaftsküste SH.
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